Trailrunning. Ein Begriff, der in letzter Zeit immer häufiger in den Medien zu hören ist. Selbst die Mainstream Laufzeitschriften haben das Thema für sich und die Trailrunner als neue Zielgruppe entdeckt. Doch was bedeutet Trailrunning, was ist „der Trailrunner“?

Denke ich an Trailrunning, habe ich sofort Bilder von stillen, einsamen Pfaden und tollen Landschaften vor Augen. Ich verbinde damit ein loslassen von dem stressigen Alltag und ein eintauchen in die Natur, irgendwie eine Art zurück zum Ursprung. Fernab von irgendwelchen Bestzeiten und Mindestanforderungen an min/km, die man erreichen möchte. Ich gebe zu, das die YouTube Videos aus den Marketingabteilungen der diversen Hersteller an meiner Vorstellung nicht ganz unschuldig sind.

Nichts desto trotz ist dies meine persönliche Ansicht. Doch ab wann ist eine Laufstrecke auch ein Trail? Macht mich eine Runde durch den Stadtpark zum Scott Jurek oder Phillipp Reiter aus dem bergischen Land? Gemäß dem Buch von Chase und Hobbs ( The ultimate guide to trail running) sind es vier Merkmale, die eine Trailstrecke ausmachen.

  • Nicht asphaltiert
  • Natürliche Hindernisse
  • Eine signifikante Anzahl an Höhenmetern
  • Landschaftliche Ausblicke

Ich denke, hier im bergischen, haben wir einige Gegenden, die alle vier Merkmale bieten. Sicherlich nicht in dem Maße, wie es die typischen alpinen Trails bieten, aber abgesehen von den Höhenmetern können wir hier locker mithalten.

Auch wenn dies vielleicht eine Art offizielle Definition ist, für mich beginnt das alles nicht erst bei dem Betreten von unbefestigten Boden, sondern schon vor dem Laufen. Es ist für mich auch eine innere Einstellung. Es gilt nicht eine neue Bestzeit aufzustellen, sondern einfach zu laufen. Den Moment im hier und jetzt wahrzunehmen und die Dinge, welche die Natur bietet bewusst aufzunehmen. Einfach auch mal stehen zu bleiben, die Umgebung zu betrachten, wie sich die Sonne durch den morgendlichen Nebel kämpft, ohne dabei panisch an die schlechte pace zu denken, die alle bald auf Strava sehen werden. Die Augen zu schließen und in die Natur zu hören. Denn das ist einer der Gründe, warum ich laufe. In einem Bericht in der Süddeutschen steht es gut beschrieben:

„Da (beim Trailrunning) ist weniger der asketisch ausgemergelte Läufer vom Typ stoischer Kilometerfresser gefragt als einer, der auch mal gerne stehenbleibt und staunt und überhaupt ein geerdetes Gefühl für seinen Körper und die Umwelt mitbringt. Dann ist Trailrunning, wie Till Gottbrath formuliert, „ein großer Psychostaubsauger, der alle Probleme aus dem Kopf zieht und mich nur noch ich sein lässt“.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/leben/trend-trailrunning-neben-der-spur-1.467090>

Bei diesem Punkt gibt es durchaus parallelen zur Meditation. Dies ist auch ein Thema, auf das ich hier im Blog einmal eingehen möchte. Wer sich dafür interessiert, der sollte sich einmal das Buch „Running with the mind of meditation“ anschauen. Dies gibt es leider nur auf Englisch, aber ich kann es nur empfehlen.

Zurück zum eigentlichen Thema. Es ist es schon zu sehen, dass sich anscheinend mehr Menschen dafür begeistern, bleibt zu hoffen, dass Trailrunning eine Art Nische bleibt und sich damit die Ursprünglichkeit des Laufens bewahrt.

Interessant ist eine Studie von Stoll et al, die im Jahr 2014 bei der Salomon 4 Trials durchgeführt wurde. Dort wurden Teilnehmer zu Ihrer Motivation befragt, an einem Trailrunning Event teilzunehmen. (Den Link zu Studie gibt es am Ende des Beitrags) Demnach liegt für einen Großteil der befragten Teilnehmern das Naturerlebnis und der Selbstwert an erster Stelle, während Anerkennung und Wettkampf doch weit hinten zu finden sind. Auch scheint es so, das Trailrunner im Vergleich zum Durchschnitt offener für neue Erfahrungen sind und tendenziell emotional stabiler sind. Es lohnt sich die Studien einmal durchzulesen um mehr über die Motivation und Psyche von uns Trailrunnern zu erfahren.

Damit beende ich diesen Beitrag mit einem Zitat von Kilian Jornet:

„The important thing is not to catch something. What matters in life is the pursuit, and everything we learn along the way. „The important thing is moving.“ – Kilian Jornet „Run or Die,“


Keep Running Thomas

Links zu den Studien von den Sportpsychologen:

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/09/29/prof-dr-oliver-stoll-und-christin-janouch-das-psychologische-profil-eines-trail-runners/

http://www.die-sportpsychologen.de/2016/10/05/prof-dr-oliver-stoll-trail-laeufer-sind-eben-doch-anders/